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Sepp Sagt Das Buch

Sepp Steiner

Setzen wir uns an diesen Tisch.

Es geht um dein Geld. Also um mehr als dein Geld.

Die Energie des Geldes — Buchcover
Die Energie des Geldes Die 12 stillen Gesetze
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1Kapitel gratis
12stille Gesetze im Buch
24hdie erste kleine Handlung
Vorwort · 01

Was mein Vater mir beibrachte

Mein Vater besaß zwei Paar gute Schuhe. Beide waren älter als ich.

Er hätte sich zweihundert Paar leisten können. Das wusste in unserem Ort niemand.

Genau so wollte er es.

Ich bin am Rand des Salzkammerguts aufgewachsen, in einem Haus, in dem über Geld nicht gesprochen wurde. Nicht, weil es fehlte. Weil man es so hielt. Es gab Wald, der länger zur Familie gehörte, als die Kirchenbücher zurückreichen, es gab Beteiligungen, deren Namen ich erst als Erwachsener erfuhr, und es gab eine Regel, die nie jemand aussprach und die trotzdem jeder kannte: Was einem gehört, zeigt man nicht her. Und was man herzeigen muss, gehört einem meist noch nicht.

Diese Regel hatte mein Vater nicht aus Büchern.

Mit fünfundzwanzig schickte ihn mein Großvater nach New York, in die Lehre bei einer Privatbank. Dort, mitten in Manhattan, traf er den reichsten Mann, den er je kennenlernen sollte. Ein Herr in einem Mantel, dessen Ärmel zweimal nachgenäht waren, der sein Mittagessen an derselben Theke einnahm wie die Botenjungen. Ihm gehörte die halbe Straße, in der die Bank stand. Mein Vater, jung und noch beeindruckbar von glänzenden Dingen, fragte ihn eines Tages, warum er nicht lebe wie ein reicher Mann. Der Alte sah ihn lange an. Dann sagte er: „Weil es nicht meines ist. Es ist mir anvertraut. Und ein guter Verwalter macht keinen Lärm im Haus seines Herrn."

Mein Vater erzählte diese Geschichte selten, und nie zweimal gleich. Nur der letzte Satz blieb immer derselbe. Ich glaube, er hat ihn über den Atlantik nach Hause getragen, wie andere Männer eine Fotografie.

Als ich zehn war, fragte ich ihn am Küchentisch, was Buben irgendwann fragen: „Papa, sind wir reich?" Er legte die Zeitung nicht weg. „Uns gehört nichts, Bub", sagte er. „Uns ist einiges anvertraut. Das ist mehr. Und es ist leiser."

Ich habe ein langes Leben gebraucht, um diesen Satz ganz zu verstehen.

Ich habe seither an vielen Tischen gesessen. An Tischen, an denen Vermögen verwaltet wurden, und an Tischen, an denen sie zerstritten wurden. Ich habe laute Vermögen kommen und gehen sehen — mit Motorenlärm gekommen, mit Anwälten gegangen. Die leisen sind noch da.

Irgendwann begannen Menschen, mich zu fragen, wie das geht: das mit dem ruhigen Geld. Zuerst die Söhne von Freunden. Dann Fremde. Dieses Buch ist meine Antwort, aufgeschrieben, solange ich Zeit habe, sie zu geben.

Eines möchte ich dir gleich sagen, damit zwischen uns Klarheit herrscht.

Dies ist kein Buch über Budgets, Prozente und Tabellen. Es wird dir keine Kontomodelle aufmalen und keine Abkürzungen versprechen. Es gibt genug Bücher, die dir sagen, was du mit deinem Geld tun sollst. Dieses hier stellt die Frage umgekehrt: Was tut dein Geld mit dir? Was geschieht in dir, wenn Geld näher kommt — und was, wenn es geht?

Denn dort entscheidet sich alles. Nicht auf dem Konto. In dir.

Ich schreibe als alter Mann, und ich schreibe dir per Du, wie man in den Bergen spricht, wenn man gemeinsam geht. Ich werde dich nicht anfeuern und nicht antreiben. Ich werde dir weitergeben, was in stillen Familien weitergegeben wird — und zwar so, wie man es dort weitergibt: ohne Eile, ohne Lärm, ein Stück nach dem anderen.

Mein Vater ist lange tot. Seine Schuhe stehen noch bei mir im Vorzimmer.

Was er mir beibrachte, beginnt nicht mit einer Regel. Es beginnt mit einer Wahrheit, die du längst spürst und die dir trotzdem nie jemand gesagt hat:

Geld ist nie nur Geld.

Kapitel 1 · 02

Geld ist Energie: blockiert oder in Bewegung

Geld kann nichts. Es kann nur werden.

Ich habe dir am Ende der Einleitung einen Küchentisch versprochen. Hier ist meiner.

Ich war neun Jahre alt und hatte beim Nachbarn zwei Nachmittage lang Holz geschlichtet. Scheit um Scheit, eine Wand aus Buche, am Ende höher als ich. Am zweiten Abend drückte er mir zwanzig Schilling in die Hand, und ich lief heim, wie man nur läuft, wenn man zum ersten Mal etwas verdient hat und nicht bloß bekommen.

Mein Vater saß am Tisch. Ich legte die Münzen vor ihn hin, damit er sie bewundere.

Er sah die Münzen an, dann mich. „Was hast du da, Bub?"

„Zwanzig Schilling."

„Nein", sagte er. „Zwei Nachmittage. Du hältst zwei Nachmittage von dir selbst in der Hand. Die kriegst du nicht wieder. Also gib acht, was aus ihnen wird."

Ich habe den Satz damals nicht verstanden. Ich habe ihn behalten, wie Kinder solche Sätze behalten: ungeöffnet, wie ein Kuvert. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich ihn aufgemacht habe.

Heute mache ich ihn mit dir auf.

In der Einleitung habe ich dir gesagt: Geld ist geronnene Lebensenergie. In jedem Euro stecken Stunden, Mühe, Können, Vertrauen. Das war der erste Schritt. Der zweite ist wichtiger, und er steckt im letzten Satz meines Vaters: Gib acht, was aus ihnen wird.

Denn Energie hat eine Eigenschaft, die du aus jedem Winter kennst: Sie verschwindet nicht. Sie verwandelt sich. Holz wird Wärme. Wärme wird Brot. Brot wird Kraft, und Kraft wird — wenn es gut geht — wieder ein geschlichteter Holzstoß. Das ist keine Mystik. Das ist genaues Hinsehen.

Und Geld? Geld ist Energie in ihrer wartenden Gestalt. Es ist Verwandlung, die noch nicht geschehen ist. Ein Kontostand ist kein Besitz. Ein Kontostand ist eine Zwischenstation — gelebtes Leben, das hineingeflossen ist, und mögliches Leben, das noch nicht herausgeflossen ist. Die Frage ist nie, wie viel dort liegt. Die Frage ist, was daraus wird.

Was kann daraus werden? Sieh genau hin. Ich zähle dir sechs Gestalten auf, und ich bitte dich, langsam zu lesen, denn in diesen sechs steckt dein ganzes Leben.

Die erste Gestalt ist Zeit. Ich kenne eine Frau, die sich lange nicht traute, für 140 Euro im Monat eine Putzhilfe zu nehmen. „Das kann ich doch selber", sagte sie, und sie sagte es jahrelang. Als sie es endlich tat, hat sie kein Geld ausgegeben. Sie hat vierzig Samstagvormittage im Jahr gekauft, und an diesen Vormittagen sitzt sie jetzt mit ihrer Tochter am See. Frag sie in zwanzig Jahren, was ihr Vermögen war.

Die zweite Gestalt ist Vitalität. Der Mann, der seit Jahren auf einer durchgelegenen Matratze schläft, weil er die 1.200 Euro für eine neue „nicht einsieht", bezahlt sie trotzdem — in Kreuzweh, in zähen Vormittagen, in Geduld, die ihm für seine Kinder fehlt. Es gibt Rechnungen, die kommen nie mit der Post. Bezahlt werden sie doch.

Die dritte Gestalt ist Kreativität. Die Gitarre um 480 Euro, die ein Bub zum vierzehnten Geburtstag bekommt, ist keine Ausgabe. Sie ist eine Verwandlung mit langem Atem: Aus 480 Euro werden zehntausend Abende. Der Kurs um 900 Euro, aus dem ein Handwerk wird. Das gute Werkzeug, das eine Gabe weckt, die sonst geschlafen hätte. Geld kann zu Können werden. Das ist eine seiner schönsten Übersetzungen.

Die vierte Gestalt ist Freude. Hier muss ich etwas geraderücken, denn hier sitzt bei vielen die tiefste Verwechslung. Die Konzertkarte um 85 Euro, auf die sich deine Frau drei Wochen lang freut — die Vorfreude ist im Preis schon inbegriffen —, ist keine Verschwendung. Freude ist eine legitime Gestalt der Energie, so legitim wie Brot. Verschwendung ist etwas anderes: Verschwendung ist Ausgabe ohne Verwandlung. Merk dir den Unterschied. Er wird dir noch oft die Scham ersparen.

Die fünfte Gestalt sind Beziehungen und Unterstützung. Der Tisch, den du deckst. Die Reise zur Mutter, die du nicht aufschiebst. Die 1.500 Euro, die still an die Nichte gehen, damit sie ihre Meisterprüfung machen kann — kein Mensch erfährt davon, und gerade deshalb wirkt es. In den alten Familien wusste man: Geld, das zu Unterstützung wird, verschwindet nicht. Es wechselt nur den Namen und heißt fortan Vertrauen.

Die sechste Gestalt ist Aufmerksamkeit — die kostbarste, weil sie am leichtesten gestohlen wird. Ich habe einen Mann gekannt, der eine Restschuld von 1.900 Euro monatelang vor sich herschob. Sie kostete ihn 19 Euro Zinsen im Monat und drei Stunden Schlaf in der Woche. Es war der schlechteste Tausch seines Lebens. Als er sie endlich tilgte, kaufte er keine Freiheit von Schulden. Er kaufte seine Nächte zurück — seine Aufmerksamkeit, die um drei Uhr früh nicht mehr rechnen musste. Wer das einmal erlebt hat, versteht: Geld kann Stille kaufen. Von der Stimme, die diese Stille stört, wird das nächste Kapitel handeln; wir werden ihr dort einen Namen geben.

Sechs Gestalten. Und nun sieh dir an, was sie gemeinsam haben: Keine einzige davon kannst du zählen. Zeit hat keinen Kontoauszug. Vitalität kennt keine Währung. Für Freude gibt es keine Quittung und für Vertrauen kein Depot.

Geld ist die eine Gestalt der Lebensenergie, die eine Zahl trägt.

Darum ist es die sichtbarste. Und darum ist es die missverstandenste. Wir halten es für die Hauptsache, weil es die einzige Sache ist, die sich messen lässt — dabei ist es nur der Umschlagplatz, die Wechselstube, in der die sechs anderen einander begegnen und tauschbar werden. Geld macht sichtbar, was sonst unsichtbar durch dein Leben strömt. Mehr nicht. Und weniger nicht.

Du tauschst übrigens längst, jeden Tag, in beide Richtungen. Jeden Morgen verwandelst du Zeit und Vitalität in Geld — das nennt man Arbeit. Jeden Abend verwandelst du Geld zurück in irgendetwas — oder eben in nichts. Die Frage ist also nicht, ob du tauschst. Die Frage ist, ob du deinen Kurs kennst.

Das war der Anfang.

Im Buch folgen die zwölf Gesetze — Stufe für Stufe: die Wahrheit über dein Geld, die geerbten Sätze, die Angst, die Bereitschaft, die Vergebung, die Dankbarkeit.

Die Energie des Geldes Die 12 stillen Gesetze
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— Sepp

Kapitel 1 · 03

Der dritte Weg: das Mühlrad

Und hier, genau hier, beginnt das Blockieren.

Ich habe dir in der Einleitung die zwei Geschwister gezeigt: den, der festhält, und den, der alles durch sich hindurchrinnen lässt. Jetzt, da du die sechs Gestalten kennst, kann ich dir sagen, was bei beiden wirklich geschieht. Es ist dieselbe Störung, nur an verschiedenen Stellen des Flusses.

Der Erste verwandelt nicht mehr.

Ich habe einen Mann gekannt, einen Lehrer im Ruhestand, drüben im Vorarlbergischen, der über die Jahrzehnte 380.000 Euro zusammengetragen hatte. Er heizte ein einziges Zimmer. Über das Hörgerät um 3.400 Euro dachte er zwei Winter lang nach — zwei Winter, in denen die Stimmen seiner Enkel für ihn ein fernes Rauschen waren. Er starb als vermögender Mann. Das Geld ist jetzt bei den Erben. Die zwei Winter sind nirgends.

Sein Geld war ein zugefrorener See. Man konnte darauf stehen. Trinken konnte man daraus nicht.

Versteh mich recht: Sparen ist eine Tugend, und ich werde sie in diesem Buch noch verteidigen. Aber Sparen und Horten sehen sich nur von außen ähnlich. Sparen sammelt für eine Verwandlung. Horten sammelt gegen eine Angst.

Der Zweite verwandelt in nichts.

Ein Projektleiter in München, Anfang vierzig, 4.300 Euro netto im Monat — kein kleines Einkommen. Am Sechsundzwanzigsten war es weg. Und wenn du ihn fragtest, wohin, wusste er es nicht. Es war nicht zu Zeit geworden, nicht zu Freude, nicht zu Unterstützung. Es war verdunstet. Denn er gab nicht aus, weil er etwas wollte. Er gab aus, um etwas loszuwerden. Geld, das bleibt, stellt nämlich Fragen: Wer bist du, dass du hast? Was, wenn du es verlierst? Was soll daraus werden? Er ertrug die Fragen nicht. Also schaffte er das Geld fort, ehe sie laut werden konnten.

Der eine fürchtet, das Geld könnte gehen. Der andere fürchtet, was es von ihm verlangt, wenn es bleibt. Unter beidem sitzt dieselbe Angst, und sie hat einen genauen Namen: die Angst vor der Verwandlung. Denn Verwandlung heißt Entscheidung, und Entscheidung heißt Verantwortung.

Gestautes Geld ist aufgeschobene Entscheidung. Immer.

Gibt es einen dritten Weg? Es gibt ihn, und du kennst das Bild dafür, wenn du je an einem alten Bach entlanggegangen bist.

Das Mühlrad.

Ein Mühlrad staut das Wasser nicht. Es lässt es auch nicht nutzlos ins Tal rinnen. Es stellt sich in den Fluss — und lässt ihn arbeiten im Vorbeigehen. Das Wasser kommt, wirkt, geht weiter. Und das Rad? Das Rad bleibt, und es mahlt.

Das ist der Verwalter, von dem wir in der Einleitung gesprochen haben. Seine Frage — Was soll durch meine Hände geschehen? — heißt, jetzt kannst du sie ganz hören: In welche Gestalt soll sich das verwandeln, was mir anvertraut ist? In Zeit für die Meinen? In Kraft für den Leib? In Können, in Freude, in Vertrauen, in Stille?

Reich ist nicht, wer viel gespeichert hat. Reich ist, wer frei verwandeln kann.

Und blockiert ist nicht, wer wenig hat. Blockiert ist, in wessen Leben die Verwandlung stockt — beim zugefrorenen See genauso wie beim verdunstenden Konto.

In den leisen Familien beginnt damit alles. Es ist das erste der stillen Gesetze, und es klingt so einfach, dass man es leicht überhört:

Sieh das Geld als Energie — und halte es in Bewegung.

Du musst heute nichts davon lösen. Lösen werden wir gemeinsam, Gesetz für Gesetz, und wir haben Zeit. Heute sollst du nur eines: zum ersten Mal sehen, was du in der Hand hältst, wenn du Geld in der Hand hältst.

Zwei Nachmittage von dir selbst.

Gib acht, was aus ihnen wird.

Praxis

Nimm dir in den nächsten achtundvierzig Stunden eine einzige Ausgabe der letzten Woche vor — die letzte über fünfzig Euro genügt. Rechne sie grob in deine Lebensstunden um: dein Monatsnetto durch deine Arbeitsstunden; auf den Euro genau muss es nicht sein. Und dann schreib einen einzigen Satz auf einen Zettel: „Das waren … Stunden meines Lebens, und sie sind zu … geworden." Setz eine der sechs Gestalten ein — Zeit, Vitalität, Kreativität, Freude, Beziehung, Aufmerksamkeit. Wenn keine passt, schreib das ehrliche Wort: „zu nichts." Auch das ist ein Anfang, und zwar ein guter.

Nicht dein Kontoauszug. Nicht dein Jahr. Eine Ausgabe, ein Satz. Wer gleich den ganzen See prüfen will, prüft am Ende gar nichts.

Und wenn der Satz dasteht, sprich leise einen zweiten dazu, nur für dich. Wir werden ihn in diesem Buch noch oft brauchen: „Ich bin bereit."

Für wen dieses Buch geschrieben ist.

Und für wen nicht: Wer eine Anleitung für Aktien, Steuern oder schnelles Geld sucht, wird hier nicht fündig. Dafür gibt es Fachleute — und die soll man fragen.

Die Energie des Geldes — Buchcover Das ganze Buch

Zwölf Gesetze. Ein ruhigerer Umgang mit Geld.

WahrheitErbeAngstDiskretionBereitschaftVergebungDankbarkeit

Mein Wort darauf.

Lies das Buch sieben Tage. Wenn es dir nichts gibt, schreib eine kurze E-Mail und du bekommst dein Geld zurück. Ohne Fragen, ohne Formulare, ohne Bedingungen.

So wurde es mir beigebracht: Ein Handschlag gilt. Auch ein digitaler.

— Sepp

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